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Frankfurter Rundschau
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Phoenix sucht mit der Sonde
Mit Metalldetektoren forscht eine Gruppe von Schatzsuchern nach Überresten der Geschichte / Wissenschaftler sehen das "Hobby" sehr kritisch
Von Philipp Schläger

Auf Schatzsuche mit der Sonde
(FR)Langsam schwenkt Jürgen Grossmann die Metallsonde über dem Boden hin und her. Ockerfarbene, frisch umgepflügte Felder erstrecken sich vor der Kulisse Praunheims und Niederursels. Der Himmel ist blau, die Sonne brennt. In Jeans und Tank-Shirt schwitzt der gelernte Kfz-Mechaniker. Nur manchmal gibt der Metalldetektor ein quietschendes Geräusch wie eine abgewürgte Sirene von sich. "Ein tiefer Ton weist auf Eisen", erklärt Krossmann, "die höheren erklingen, wenn sich in der Erde Edelmetalle befinden, die für uns interessanter sind." Ein hell quietschender Piepston ist zu hören. "Eigentlich wollte ich Archäologie studieren, das hat aber nicht geklappt", erklärt er kurz, während er mit der Schaufel in der verklumpten und von der Hitze vertrockneten Erde gräbt.
Mit rund dreißig weiteren Sondengehern hat sich Krossmann in der seit 2001 bestehenden Interessengemeinschaft (IG) Phoenix organisiert, um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen. Heute hat sich die Suche gelohnt. In der Hand hält er eine von Erde ummantelte braune Schnalle aus Metall. "Wahrscheinlich aus dem Mittelalter", vermutet er. "Jeder hat sein spezielles Interessengebiet", erklärt der Postangestellte Donald Pettenger, während er sich den Schweiß von der Stirn wischt. Von der Keltischen Zeit über die Epoche der Römer, dem Mittelalter, bis hin zum 30-jährigen Krieg, der Französischen Revolution und dem Zweiten Weltkrieg reiche das zeitliche Spektrum. Der ehemalige US-Soldat, der sich besonders für Gegenstände aus dem Zweiten Weltkrieg interessiert, kam eher zufällig zum Sondensuchen. Nachdem er seinen Ehering beim militärischen Training auf freiem Gelände verloren hatte, suchte er mit einem einfachem Metalldetektor und wurde fündig.

Aus praktischen Gründen griff auch Olaf Schmid erstmals zum Metalldetektor. "Ich habe damals eine Eigentumswohnung gekauft, wusste aber nicht, wo bestimmte Kabel in der Wand verliefen, die repariert werden mussten", erzählt er. Schließlich sei er auf die IG Phoenix gestoßen, habe Seminare zu rechtlichen und praktischen Fragen besucht. Der zwölfjährige Severin Stummer und sein Vater Thomas genießen besonders die Spannung: "Vom rostigen Nagel bis zu wertvollen Dingen kann man alles finden."
Eine Begeisterung, die nicht alle teilen. Die Suche per Metallsonde berge viele Risiken, warnt etwa die Leiterin der Archäologischen Denkmalpflege im Frankfurter Denkmalamt, Andrea Hampel: Die Gefahr für Sucher, auf nicht entschärfte Munition oder Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg zu stoßen, aber auch die der möglichen Zerstörung archäologischer Funde. "Am besten geschützt sind archäologische Gegenstände im Boden, wir graben deshalb grundsätzlich nicht", sagt Hampel. Nur da, wo ohnehin in den Boden eingegriffen werde, etwa auf Baustellen, bemühe man sich um die Ausgrabung. Den Anspruch der Sondengänger, bei der archäologischen Arbeit zu helfen, sieht sie eher kritisch.
Wenn man für einen Führerschein auch einen Erste Hilfe Kurs absolviert, kann man seiner Frau trotzdem nicht den Blinddarm herausnehmen."

"Archäologie ist Zerstörung", sagt Udo Recker vom Landesamt für Denkmalpflege. Zwar habe man sich inzwischen mit Sondengängern arrangiert, die Gefahren blieben jedoch. Eine Chance in dem Engagement der Sondengeher sieht jedoch Landesarchäologe Egon Schallmeyer vom Landesamt für Denkmalpflege. Er warnt davor, "alle Sondengeher in einen Topf zu schmeißen", viel mehr sei auch für die Behörden die Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer eine Bereicherung. In der Erfahrung der gemeinsamen Zusammenarbeit sieht Schallmeyer die Möglichkeit, zuverlässige Sucher von schwarzen Schafen zu trennen. "Rechtlich ist es so, dass jeder, der eine Genehmigung hat, nach Denkmälern suchen kann", erklärt Schallmeyer. Kriterium zur Beurteilung sei ebenso die Teilnahme an Fortbildungslehrgängen wie persönliche Gespräche und die Qualität der abgegebenen Fundberichte.

Dass es schwarze Schafe unter Sondengehern gibt, räumt auch Walter Franke, Vorsitzender der IG Phoenix, ein. Deshalb ermutige er auch Bürger, Metallsucher bei der Polizei anzuzeigen, die sich an Arealen wie Bodendenkmälern oder Burgruinen zu schaffen machen, für die keine Nachforschungsgenehmigung erteilt würden. Pauschale Verurteilungen lehnt er jedoch ab, "wir kooperieren mit den Behörden", sagt Franke stolz. Die Suche im Wald sei ohnehin verboten, auf Äckern gebe es in der Suchtiefe einer Sonde von rund 25 Zentimetern und einem umgepflügten Boden von rund dreißig bis vierzig Zentimeter Tiefe sowieso kein zu zerstörendes Gut.

• Die IG Phoenix lädt für 23. August, von 13 bis 18 Uhr, in die Fuchstanzklause, Reifenberger Straße 73, zum Tag der offenen Tür ein. Kontakt: Walter Franke, Telefon 0611 / 44 22 51.